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Erfahrungsbericht: Duales Studium Mechatronik

Bezeichnung: Duales Studium Mechatronik (Abschluss: Bachelor of Engineering) mit Ausbildung zur Technischen Zeichnerin
Modell: ausbildungsintegrierend

Dieses Ausbildungsangebot in der Datenbank von AusbildungPlus

Ausbildungsbetrieb: Siemens AG
Ausbildungsinstitution: Fachhochschule Gelsenkirchen, Abteilung Bocholt

 
 
 
 

Mädchen und Technik? - Das geht!!!

Autorin: Britta Eichmann

Da hieß es also kürzlich in einer Mail meines Ausbilders, ob ich nicht an einem Schreibwettbewerb zum Thema „Duales Studium“ teilnehmen wolle. Zunächst dachte ich:"Naja…vielleicht…ich denk‘ mal darüber nach…."

Doch dann sah ich, dass es sich um eine Aktion handelt, jetzige Schülerinnen und Schüler - künftige Studentinnen und Studenten - für den dualen Studiengang zu begeistern und war sofort Feuer und Flamme!

Denn meiner Meinung nach ist es das Allerbeste, wenn man Erfahrungsberichte von Menschen bekommt, die hautnah am Geschehen sitzen, von denen man Tipps bekommen kann und die die Situation, in der ihr euch jetzt gerade befindet, vor einiger Zeit selbst erlebt haben. Ich hoffe also sehr, dass ich euch mit meinem folgenden Erfahrungsbericht einige Fragen beantworten kann und euch die Entscheidung, was ihr nach eurem Abitur, Zivildienst oder anderen Abschlüssen machen wollt, erleichtern kann.

Zurzeit befinde ich mich im 1.Ausbildungsjahr des dualen Studiengangs Mechatronik an der Fachhochschule (FH) mit Ausbildung zur Technischen Zeichnerin bei der Siemens AG.

Wie kam ich zu diesem kooperativen Studiengang?

Ich selbst habe mich vor meiner Entscheidung, ein kooperatives Studium aufzunehmen, "an allen Ecken" informiert! Natürlich im Internet und in Fachzeitschriften, aber auch hautnah, z.B. auf der Hannover-Messe. Dort in der Jugendhalle habe ich mit vielen Jugendlichen gesprochen, die ihre Firmen vertraten: Ich habe sie regelrecht mit Fragen über ihr Berufsleben und die Ausbildung gelöchert, denn diese Entscheidung würde mein Leben stark beeinflussen. Da ist es nur logisch, dass man sich alles genau überlegt und auch mal einige Nächte darüber schläft!

Auch wenn es für mich zunächst viele offene Fragen gab, bezüglich Studienablauf und Ausbildungsplanung, so war mir eines von Anfang an klar: der Beruf, den ich erlernen wollte. Mathematik und Technik haben mich schon in der Schule begeistert und durch mein sehr interessantes Betriebspraktikum bei der Flender AG (seit Mai 2010 Siemens AG) in Klasse 10 wurde dieses verstärkt. Zudem begeisterte mich die Tatsache, dass in letzter Zeit immer mehr Frauen Technikberufe erlernen; denn nur, weil ich ein Mädchen bin, muss ich ja nicht auch einen typischen „Mädchen-Beruf“ ergreifen!

Das Wichtigste ist, dass ihr das lernt, was euch begeistert, was ihr später täglich machen wollt und womit ihr euer Geld verdienen wollt!

Als ich dann erfahren habe, dass Flender ein kooperatives Studium Mechatronik in Zusammenarbeit mit der örtlichen Fachhochschule anbietet, war es mein größter Wunsch, dort einen dualen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Wie ist die Bewerbung abgelaufen?

Die Bewerbungsfristen starteten genau ein Jahr vor Ausbildungsbeginn, ich schrieb Bewerbungen an die Firmen, die ich für mich am geeignetsten hielt. Während ich auf Antwort wartete, blieb ich jedoch nicht untätig: Um meinen Traum verwirklichen zu können, besorgte ich mir Bücher, in denen Tipps und Tricks zum Einstellungstest standen und bereitete mich mit deren Hilfe intensiv darauf vor. Dann endlich bekam ich Post von Flender: die Einladung zum Einstellungstest!

Der 3 Stunden dauernde Test fragte unter anderem Mathematik, logisches Denken und technisches Verständnis ab. Mit ca. 60 anderen Bewerbern gab ich alles, denn ich hatte mein Ziel genau vor Augen: den Test gut bestehen und den ersehnten dualen Ausbildungsplatz bekommen. Und nach weiteren 4 Wochen kam dann die Belohnung für meine intensive Vorbereitung: die Einladung zum Vorstellungsgespräch! Mensch, da fiel mir aber ein Stein vom Herzen, dass ich es so weit geschafft hatte! Mit Unterstützung meiner Familie und Freunde übte ich fleißig für das Gespräch, bereitete mich noch einmal intensiv vor auf Fragen zu meiner Person, zum Betrieb und auf mein Auftreten an diesem Tag. Und ich hatte Erfolg: Ich überzeugte meinen Arbeitgeber im Gespräch und durfte am 1.September meine kooperative Ausbildung beginnen!

Die Situation im Betrieb und der Verlauf der Ausbildung

Mit mir starteten 6 weitere "Koops", 4 Jungs und zu meiner positiven Überraschung 2 weitere Mädchen!

Also, Mädels, traut euch, euer Interesse an Technik zu zeigen!

Die Unterstützung durch den Betrieb begeisterte mich von Anfang an. Alle Mitarbeiter waren engagiert und sehr bemüht, alle meine Fragen zu beantworten und mir viele Dinge zu erklären. Zudem hat der Betrieb die Planung von FH-Zeiten und Zeichensaal-Zeiten optimiert, sodass es nicht zu Überschneidungen kam und man an allen Vorlesungen, Übungen und Praktika teilnehmen konnte.

Insgesamt dauert unsere Ausbildung 4 Jahre: Nach 2,5 Jahren findet die Abschlussprüfung zur Technischen Zeichnerin/zum Technischen Zeichner statt, nach weiteren 1,5 Jahren schreiben wir unsere Bachelorarbeit. Die Fachhochschulphasen und die betrieblichen Phasen unterscheiden sich von Betrieb zu Betrieb. Bei uns ist es so, dass wir eine 5-Tage-Woche haben, in der wir an bestimmten Tagen zur FH gehen und an den anderen Tagen das Zeichnen und Konstruieren im Betrieb lernen.

Wie hat sich meine Freizeit verändert? Wie haben sich alte und neue Freundschaften entwickelt?

Falls ihr euch bereits über das duale Studium informiert habt, wisst ihr, dass man viel lernen muss; sowohl für die FH als auch für die Ausbildung. Dadurch, das muss ich leider zugeben, treten Freizeitaktivitäten und Freunde in den Hintergrund. Denn gleichzeitig Student und Auszubildender zu sein bedeutet, einen Fulltimejob zu haben! Manche der Schulfreunde verliert man dadurch vielleicht aus den Augen, doch man gewinnt auch gute neue Freunde aus Betrieb und FH dazu! Und eines müsst ihr unbedingt bedenken:

„Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg !“

... und eine gute Ausbildung entscheidet schließlich über euer Leben und eure Zukunft.

Mit meinen Mit-Koops verstehe ich mich übrigens super gut: Wir haben privat sehr viel Spaß zusammen, treffen uns regelmäßig und lachen stundenlang, um uns einfach mal von dem zeitweise wirklich intensiven Stress erholen zu können. Wir sind eben richtig gute Freunde geworden. Und auch wenn es Probleme und Fragen zum Lernstoff gibt, helfen wir uns gegenseitig, treffen uns zum Lernen und finden oft erst gemeinsam richtige Lösungswege. Denn viele Köpfe denken schließlich mehr und haben unterschiedliche Ideen.

Warum ihr unbedingt ein Kooperatives Studium beginnen solltet:

Das Kooperative Studium unterliegt einem strengen Zeitplan, der sich jedoch auf jeden Fall lohnt. Denn innerhalb von 4 Jahren hat man sich als Koop bereits zwei Abschlüsse erarbeitet, die sich sehen lassen können. Und mal ehrlich…auf einer späteren Bewerbung sehen zwei Abschlüsse doch gut aus, oder?

Zudem müsst ihr euch bei der Frage, ob das duale Studium der richtige Weg für euch ist, die zukünftige Situation auf dem Arbeitsmarkt vor Augen führen. Aufgrund der Wirtschaftssituation werden Firmen viele innovative und rentable Ideen in kürzester Zeit umsetzen müssen, um im globalen Wettbewerb weiter bestehen zu können. Daher ist die Nachfrage nach kooperativen Ingenieuren in letzter Zeit stetig gewachsen. Weil man eben als Koop direkten Praxisbezug hat und so das Berufsleben schon während der Ausbildung hautnah erleben kann und somit später schon viele Situationen und Arbeitsschritte kennt.

Beispielsweise habe ich einige Wochen in der Montage der Getriebe verbracht. Zunächst konnte ich mit den Begriffen Welle und Lager usw. nur oberflächlich etwas anfangen. Aber nach und nach wurden mir auf den Zeichnungen und parallel dazu direkt am Getriebe in der Montagehalle der Aufbau, die Funktionsweise und und und... erklärt, sodass ich diese umfassende praktische Grundunterweisung jetzt in der Konstruktionsabteilung bei theoretischen Aufgaben sehr gut zur Problemlösung anwenden kann.

Ein weiterer für mich persönlich sehr erfreulicher Punkt ist die Tatsache, dass mein Ausbildungsbetrieb zufällig in meiner Heimatstadt liegt. Manche von euch wollen vielleicht nach dem Abi, dem Zivi, dem Auslandsjahr etc. die große weite Welt erobern; ich jedoch sehe es, wie auch viele meiner Freunde, als erheblichen Vorteil an, weiterhin zu Hause wohnen zu können….wer bekommt nicht gerne jeden Mittag von Mama das Essen liebevoll zubereitet und immer die Wäsche gewaschen. Da das duale Studium sehr zeitintensiv ist, würde man höchstwahrscheinlich sehr selten zum Putzen, Einkaufen und Kochen kommen oder deswegen sogar Abstriche bei der Zeit fürs Lernen machen müssen.

Vermutlich fragt ihr euch auch, ob ihr euer duales Studium auch finanziell geregelt bekommen könnt. Daher dürfte mein abschließender Pro-Aspekt, die Aussicht auf eine Ausbildungsvergütung, in jeder Hinsicht das Problem „Studiengebühren“ in den Hintergrund rücken!

Ich hoffe sehr, dass ich euch einiges aus meinem Alltag als kooperative Studentin näherbringen konnte und euer Interesse an einem dualen Studiengang geweckt bzw. verstärkt habe!

Ich wünsche euch bei euren Bewerbungen und künftigen Ausbildungen viel Erfolg und nicht zuletzt viel Spaß!!!

 

 
 

Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
http://www.bibb.de

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