Ausbildungsinstitution: Fachhochschule Koblenz, FB Ingenieurwesen
Ausbildungsbetrieb: KEVAG - Koblenzer Elektrizitätswerk und Verkehrs-Aktiengesellschaft
Autorin: Tobias Mering
Gesamtdauer: 4,75 Jahre, darin 3,5 Jahre Studium und 3,5 Jahre Ausbildung
Mein Studiumfortschritt (bei Verfassen dieses Berrichts): 3 Jahre der Ausbildung absolviert und im 5. Semester
Da es diesen Studiengang zuvor in unserer Region noch nicht gab, war es für mich eher ein glücklicher Zufall, dass ein regionaler Energieversorger (KEVAG) mich während eines studienvorbereitenden Praktikums auf diesen Studiengang ansprach.
Nach meiner Zusage musste zunächst die vertragliche Situation geklärt und Kooperationsverträge mit der FH Koblenz, der Berufsschule und der IHK geschlossen werden. Mittlerweile werden auch neue "Duale Studenten" gesucht, um die Personalentwicklung im Betrieb voran zu treiben.
Die Berufsschule wird zusammen mit anderen Auszubildenden (Elektroniker für Betriebstechnik) absolviert. Da der Studiengang ein gutes Jahr nach Ausbildungsbeginn startet, läuft die Berufsschule teils parallel zum Studium. Das bedeutet einen flexiblen Wechsel, auch mal auf Kosten einiger Unterrichtsstunden, die dann zu Hause nachzuarbeiten sind. Während der vorlesungsfreien Zeiten setze ich den praktischen Teil der Ausbildung fort und erhalte Einblick in ausgewählte Organisationseinheiten. Um den Ausbildungsteil des dualen Studiums mit dem Facharbeiter abzuschließen, setze ich im 5.Semester an der FH aus. Dies bedeutet allerdings auch, dass die bisherigen Kommilitonen ein Semester weiter sein werden.
Währenddessen werde ich vom Unternehmen auf die Abschlussprüfung vorbereitet und lerne noch einige Organisationseinheiten kennen. Nach dem Facharbeiterabschluss geht es noch einmal für zwei Semester zur FH. In den vorlesungsfreien Zeiten werde ich im Unternehmen an ingenieurnahe Tätigkeiten herangeführt und in Projekte eingebunden. Nach den zwei Theorie-Semestern werde ich in der KEVAG meine Bachelor-Arbeit durchführen. Mit dem Abschluss des Studiums endet die vertragliche Bindung an das Unternehmen und ich kann mich dann auch bei anderen Firmen bewerben.
Für diesen dualen Studiengang sollte man ehrgeizig und ausdauernd sein. Wegen des geringen Zeitraums im Unternehmen, der Berufsschule und der Vorlesungszeit ist die Möglichkeit, den reduzierten Urlaub zu nehmen, etwas eingeschränkt. Urlaubstage werden aus eigenem Antrieb heraus auch für die Klausurvorbereitung genutzt, denn während der Klausurphase ist es zeitlich sehr eng.
Da man gegenüber anderen Auszubildenden weniger Praxiszeit hat, darf man die Ausbildung dem Studium nicht ganz unterordnen. Ohne, dass vom Unternehmen konkrete Ansprüche oder Forderungen gestellt werden, ist man natürlich bemüht, überdurchschnittlich gut abzuschneiden. Schließlich erhält man für das Studium eine monatliche Vergütung. Dadurch kann, abhängig vom Studenten, ein gewisser Erfolgsdruck entstehen, der sich jedoch wiederum sehr positiv auf die Noten im Studium auswirken kann.
Ein Unternehmen ist natürlich daran interessiert, dass das Studium erfolgreich absolviert wird. Daher sollte sich ein Student vor Beginn des Studiums sicher sein, dass es das richtige Studium für ihn ist und er es auch schafft.
Ich habe als "Dualer Student" einen gewissen Sonderstatus, da diese Ausbildungsform im Unternehmen noch recht neu ist. Organisatorische Schwierigkeiten, wie z.B. Überschneidung von Klausurvorbereitung und Berufsschule, werden nach kurzer Absprache mit den Ausbildern gelöst.
Ich erhalte dadurch eine gewisse Entscheidungsfreiheit und Eigenständigkeit, die aber einen festgelegten Rahmen nicht verlässt. Wenn ich Hilfe benötige, werde ich sowohl von meinen Ausbildern als auch von relevanten Organisationseinheiten unterstützt, z.B. mit Material für eine Präsentation an der FH.
Die ersten Semester des Studiums konzentrieren sich stark auf Mathematik, Physik und allgemeine Elektrotechnik. Man bekommt zunächst die Grundlagen vermittelt. Diese sind Voraussetzungen für allgemeine, elektrotechnische Arbeiten. An der FH bekomme ich eher selten Wissen vermittelt, das genau auf eine Organisationseinheit zugeschnitten ist, da das Studium nicht auf Energietechnik spezialisiert ist.
Jedoch erhält man durch das Studium ein besseres Verständnis für elektrotechnische Vorgänge. Auch nichttechnische Kurse können weiter helfen und die eigene Person prägen. Beispielsweise erhält man durch die Vorlesung „Betrieblicher Arbeitsschutz“ ein besseres Verständnis für die Sicherheitsmaßnahmen im Betrieb.
Nicht nur das Studium und die Praxis ergänzen sich, sondern man erhält auch durch die Berufsschule eine zusätzliche Sichtweise auf die Materie.
Neben dem Einblick in Theorie und Anwendung spielen aber noch andere Dinge eine Rolle für die Entscheidung zum dualen Studium der Elektrotechnik.
Man muss sich darüber im klaren sein, dass das duale Studium eine Mehrbelastung darstellt und man das Studium an sich auch schaffen sollte. Aber da man für das Studium bezahlt wird, möglicherweise seinen späteren Arbeitgeber kennenlernt und einen zusätzlichen Abschluss erhält, kann der duale Studiengang attraktiver als ein normaler Studiengang der Elektrotechnik sein. Die Entscheidung für oder gegen einen dualen Studiengang bleibt aber jedem selbst überlassen.