Sie befinden sich hier:

 
 

Einstellungen

Textvergrößerung

Darstellungsstil

   

 
 
 
 

Erfahrungsbericht: Duales Studium Medien- und Kommunikationswirtschaft

Bezeichnung: Duales Studium Medien- und Kommunikationswirtschaft in Fachrichtung Journalismus/PR (Abschluss: Bachelor of Arts) Modell: praxisintegrierend
Modell: praxisintegrierend

Dieses Ausbildungsangebot in der Datenbank von AusbildungPlus

Ausbildungsinstitution: Duale Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg
Ausbildungsbetrieb (Praxisphasen): IP Deutschland GmbH

 
 
 
 

Zwischen Brombeersträuchern, Pressetexten und Klausurbögen

Autorin: Annika Pellmann

Schon wieder bleibe ich mit dem Bein im Brombeerstrauch hängen. Meine Haare verfangen sich im Gestrüpp. Mein Fuß verhakt sich in einer Wurzel, ich gerate ins Schwanken, kann mich grade noch fangen. Es ist kalt und matschig im Ravensburger Forst. 

Von weitem hört man Geschrei und Dackelgebell – so habe ich mir mein Studium nun wirklich nicht vorgestellt.

Dabei hört sich mein dualer Studiengang alles andere als naturverbunden an, dafür umso komplizierter: 
Medien- und Kommunikationswirtschaft in Fachrichtung Journalismus/PR an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Ravensburg.

Alle drei Monate wechseln sich die Phasen, in denen ich in Ravensburg studiere und in meinem Betrieb arbeite, ab. Ich arbeite bei IP Deutschland, dem Werbevermarkter der Mediengruppe RTL Deutschland, mit Sitz in Köln. Jawohl, in Köln, Nordrhein Westfalen. Wie das geht? Ganz einfach – alle drei Monate Koffer packen und umziehen, von Ravensburg nach Köln und umgekehrt. Ursprünglich komme ich übrigens aus dem beschaulichen Blomberg bei Paderborn, da fahre ich auch ab und an noch hin – wenn ich Zeit habe. Drei Jahre, sechs Semester lang, dann schließe ich mein duales Studium mit dem Bachelor of Arts ab. Aktuell bin ich im zweiten Semester und gerade in Köln, noch bis Ende September.

Das Studium

Logo der DHBW RavensburgZugegeben, das klingt nach vielem, aber nicht nach einer stressfreien Studienzeit. Die Vorteile dieses Dualen Studiums liegen allerdings auf der Hand: Ich bin eine von tausenden Studentinnen und Studenten, die „irgendwas mit Medien“ machen wollen; die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist also groß. Durch meine Arbeit bei IP Deutschland sammle ich schon während des Studiums jede Menge Praxiserfahrung. Durch die Nähe zu den TV-Sendern der Mediengruppe RTL kann ich mir sowohl den Bereich Marketing und PR als auch die redaktionelle Seite ansehen und Kontakte knüpfen. Das Wissen, das ich mir im Studium angeeignet habe, kann ich gleich in der Praxis anwenden; das trägt sehr zum Verständnis der wissenschaftlichen Sachverhalte bei. Ich bin mir sicher, dass ich mich durch diese Kombination von Arbeit und Studium nach meinem Abschluss absolut „fit“ für die Arbeitswelt fühle. Das macht mich sehr zuversichtlich für die Zukunft. Ein weiteres Plus: Dadurch, dass ich für die gesamte Studienzeit Gehalt bekomme, kann ich mich fast komplett selbst finanzieren und bin weniger auf meine Familie angewiesen.

Auch mein Streifzug durch den Wald hat sich gelohnt und einiges mit meinem Studium zu tun:

In jeder Theoriephase erarbeitet der Studiengang ein eigenes journalistisches Projekt. Im ersten Semester wird ein Magazin erstellt.

Hierfür bin ich zusammen mit einem Kommilitonen losgezogen und habe eine Gruppe Jäger bei der Treibjagd begleitet. Auch wenn sich herausgestellt hat, dass ich nicht sonderlich begabt darin bin, Füchse aus dem Unterholz aufzuscheuchen, hat mir meine Recherche der etwas anderen Art viel Spaß gemacht. Im zweiten Semester haben wir einen eigenen TV-Beitrag im modernen Fernsehstudio der DHBW aufgezeichnet.

Natürlich gibt es auch ganz normale Vorlesungen.

Neben dem allgemeinen wirtschaftlichen Basiswissen wie BWL, VWL, Marketing, Statistik, Recht und Controlling sind viele Einheiten speziell auf Medienwissenschaften ausgerichtet, wie Geschichte der Medien, Verlagswesen, Medienpolitik, oder Journalismus Theorie.

In den letzten drei Semesterwochen in Ravensburg werden dann jeweils die Klausuren geschrieben – nicht gerade wenige. Allerdings machen die kleinen Studiengänge mit ca. 20 Studenten das Lernen angenehm und die Dozenten, die meist aus der beruflichen Praxis kommen, stehen stets für Nachfragen zur Verfügung. Unser Statistik-Dozent hat sich sogar zu einer freiwilligen Übungsgruppe mit uns getroffen.

Natürlich kommt auch der Spaß nicht so kurz. Unser Studiengang hat sich sehr schnell zu einem eingeschworenen Freundeskreis entwickelt. Da Ravensburg ein eher kleines Örtchen ist, organisieren die Studenten ihre Partys meist selbst, anstatt einfach zum Feiern in einen Club zu gehen. So finden die „Ersties“ sehr schnell Anschluss. Die Studenten kommen aus ganz Deutschland. Dementsprechend prallen auch die verschiedensten Dialekte, Gewohnheiten und Traditionen aufeinander, was ab und an zu lustigen Missverständnissen und der allgemeinen Erweiterung des Wortschatzes führt.

Irgendwann fängt jeder an, sich das regionale Schwäbisch anzueignen und in BWL über „Koschten“ und „Leischtungen“ zu diskutieren. 

Die Ausbildung im Betrieb:

Logo von IP DeutschlandManchmal ist es etwas anstrengend, bei der Frage „Und, was studierst du so?“ ziemlich weit ausholen zu müssen. Und nachdem ich in Gesprächen mit Bekannten das Konzept meines reiseintensiven Studienganges erläutert habe, geht es meist so weiter:„Was genau macht diese Firma noch mal, bei der Du arbeitest?“ Kurz gesagt: Sie verdient das Geld für die Sender der Mediengruppe RTL. Der Werbevermarkter IP Deutschland verkauft die Zeiten in den Werbeblöcken an Firmen, die bei den Sendern der RTL Gruppe werben wollen. Dazu gehören RTL, VOX, SUPER RTL, n-tv, die neuen Digitalsender wie RTL Crime sowie verschiedne Online-, Mobil oder Teletext Angebote.

Bei IP Deutschland bin ich derzeit in der Abteilung Presse & PR tätig.

Hier kümmere ich mich zusammen mit den Volontären um die Pflege des unternehmensinternen Intranets und der Website von IP Deutschland. Außerdem schreibe ich Pressemitteilungen, z.B. wenn ein neuer Werbekunde bei den Sendern der Mediengruppe RTL Spots schaltet. Diese werden dann über den Nachrichtendienst OTS und per Mail an diverse Journalisten verschickt und im Internet veröffentlicht. Für meine eigenen Pressemitteilungen bin ich auch der Ansprechpartner bei Rückfragen. Als ich das erste Mal plötzlich einen Redakteur von „Focus Money“ am Telefon hatte, war ich ganz schön aufgeregt.  

Besonders viel Spaß hat mir das Schreiben der Pressemeldung für den neuen Kia Sportage gemacht, der bei „Alarm für Cobra 11“ auf RTL beworben wurde. Hierfür wurde eigens ein Werbespot mit den Hauptdarstellern der Serie im Kölner Palladium gedreht und ich durfte einen Tag lang bei den Dreharbeiten zusehen.

Mit meinen Kolleginnen und Kollegen verstehe ich mich sehr gut und kann mich jederzeit mit meinen Fragen an sie wenden. Allgemein ist die Atmosphäre im Betrieb sehr freundlich und herzlich, so habe ich mich gleich vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt. In der nächsten Praxisphase werde ich ein Praktikum bei „RTL aktuell“ machen. Außerdem werde ich in den folgenden Semestern in anderen Abteilungen von IP Deutschland arbeiten, z.B. im strategischen Marketing. 

Rückblick - Der Weg bis zur Ausbildung

Bereits in meiner Schulzeit habe ich für einen kleinen Stadtanzeiger gearbeitet und in den Ferien verschiedene Praktika absolviert. Auch neben meinem Studium wollte so viel wie möglich in Redaktionen und Agenturen arbeiten. Allerdings war mir klar, dass hier oft nur unbezahlte Praktika und Aushilfsjobs angeboten werden und diese viel Zeit neben dem Lernstress in Anspruch nehmen. Deshalb habe ich im Internet nach einer Alternative gesucht und bin auf die Website der DHBW Ravensburg gestoßen. Ein duales Studium im Bereich Medienwirtschaft mit Spezialisierung auf Journalismus und PR? Das war genau das, wonach ich gesucht hatte. Auf der Internetseite war eine Firmenliste mit Unternehmen veröffentlicht, die diesen Studiengang als Partnerfirma für die Praxisphasen anbieten. So wurde ich auf IP Deutschland aufmerksam.

Die verschiedenen Einblicke, die die Werbevermarktung bietet, reizen mich:

Von der Werbung über das Marketing bis hin zur PR ist alles dabei. Auch die Möglichkeiten, in die Redaktionen von RTL „reinzuschnuppern“ und eventuell für einige Monate bei einer Tochterfirma im Ausland zu arbeiten, interessierten mich sehr. Also bewarb ich mich direkt beim Unternehmen. Ich freute mich riesig, als ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde und schließlich meine Zusage erhielt. Ein Einstellungskriterium waren sicherlich die zahlreichen Praktika, die ich bereits gemacht habe und die Leseproben, die ich dadurch meiner Bewerbung beiheften konnte.
 

Deshalb würde ich jedem empfehlen, der sich für einen Beruf im Medienbereich interessiert, die Ferien nicht nur zum Faulenzen zu nutzen und sich das Taschengeld zum Beispiel durch eine freie Mitarbeit bei einer kleinen Regionalzeitung oder Onlineredaktion aufzubessern.

 
 

Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
http://www.bibb.de

Copyright: Die veröffentlichten Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers dar.