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Ausbildungsinstitution: Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt Abteilung Schweinfurt
Ausbildungsbetrieb: SIEMENS AG, Bad Neustadt a. d. Saale
Autor: Janis Heller
Die Entscheidung, einen dualen Studiengang zu beginnen, traf ich bereits während meiner Schulzeit an der Berufsoberschule. Da ich bereits eine kaufmännische Berufsausbildung abgeschlossen habe und auch über einige Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich verfüge, war es für mich von besonderem Interesse, bereits vor Antritt des Studiums meinen künftigen Arbeitgeber im technischen Bereich zu finden.
Glücklicherweise wurde pünktlich zu meinem Fachabitur eine Initiative der regionalen Industrie, Berufsschule und der Fachhochschule Schweinfurt ins Leben gerufen, die den dualen Studiengang „Mechatronik / Ingenieurinformatik“ anbietet.
Das besondere an diesem dualen Studiengang ist, dass zwei volle Abschlüsse innerhalb der Ausbildungsdauer von fünf Jahren erworben werden.
Zum einen die Ausbildung zum IHK Mechatroniker, zum anderen das Diplom im Studiengang Ingenieurinformatik an der Fachhochschule Schweinfurt.
Die Vorteile dieses Ausbildungssystems liegen für mich klar auf der Hand:
Also gleich die Bewerbung an SIEMENS fertig gemacht, das Vorstellungsgespräch erfolgreich gemeistert und im September 2007 begann meine Ausbildung zum Mechatroniker im SIEMENS Elektromotorenwerk in Bad Neustadt.
Das erste Jahr war ich in der Ausbildungswerkstatt und bekam die erforderlichen Fertigkeiten eines Mechatronikers vermittelt. Das bedeutete zunächst den richtigen Umgang mit Feile, Säge und Bohrmaschine zu erlernen, bevor es an die maschinelle Bearbeitung von Stahl oder Aluminium ging. Dazu gehört unter anderem das Drehen, Fräsen und Schleifen.
Wichtig sind auch die Grundkenntnisse der Elektrotechnik, wie zum Beispiel das Kennenlernen von elektrischen Bauteilen (z.B. Ohmscher Widerstand, Spule oder Kondensator), der Aufbau von Schaltungen mittels Schütztechnik und auch der Anschluss und die Programmierung einer Steuerung (LOGO! und SPS).
Auch der Aufbau von pneumatischen Schaltungen und das Fertigen von Teilen an CNC-Maschinen wurden mir vermittelt.
Selbstverständlich gehört zu einer Ausbildung auch der entsprechende Theorieunterricht, der an der Berufsschule in Bad Neustadt gehalten wird. Zusätzlich dazu erhielt ich auch interne Schulungen der Firma SIEMENS. So gab es Unterricht in technischem Englisch und auch der richtige Umgang mit Word, Excel und Outlook wurde mir beigebracht.
Abschluss dieser ersten Ausbildungsphase war die IHK-Zwischenprüfung zum Mechatroniker, in der ich meine erworbenen Kenntnisse erfolgreich unter Beweis stellen durfte.
Zum Wintersemester 2008 begann dann im Oktober das ersehnte Studium zum Diplom-Ingenieur der Ingenieurinformatik an der FH Schweinfurt.
Der Studiengang ist aufgeteilt in drei Teilbereiche:
Jeder dieser Teilbereiche ist in etwa gleich gewichtet.
Die ersten drei Semester eines Diplom-Studiengangs sind das sogenannte Grundstudium.
Hier bekam ich die grundlegenden Kenntnisse der Physik, Mathematik, Elektrotechnik, Informatik, Werkstofftechnik und technischen Mechanik von den Professoren vermittelt. Vor allem in den ersten beiden Semestern stellte es sich als großer Vorteil heraus, dass ich bereits die Grundlagen der Elektrotechnik und Mechanik in der Ausbildung erlernt habe. So fiel es mir deutlich leichter, die Zusammenhänge zu verstehen und so manches konnte ich in meinen Berufsschulunterlagen nachlesen, um es mir zu verdeutlichen.
Wie bei einem FH Studium üblich, stehen am Ende des Semesters Prüfungen an. Diese Herausforderung hat jeder Student zu meistern und da man seinen Arbeitgeber nicht enttäuschen möchte, ist das persönliche Engagement noch höher. Dies verhalf mir zu guten Ergebnissen in meinen Prüfungen.
Ein weiterer Schritt ist getan und ich habe nun mein Vordiplom!
Mit dem vierten Semester befinde ich mich im Hauptstudium und damit beginnt die eigentliche Lehre der ingenieurmäßigen Tätigkeiten. In diesem Semester enthalten sind die Regelungs-, Steuerungs- und Messtechnik sowie die Netzwerktechnik. Auch hier waren mir einige Inhalte bereits aus der Ausbildung bekannt und ich konnte auf meinem vorhandenen Wissen gut aufbauen.
Zurzeit befinde ich mich im Praxissemester, bin also über einen längeren Zeitraum im SIEMENS Elektromotorenwerk und habe nun die Möglichkeit, auch ausgedehnte Projekte in Angriff zu nehmen. Im Anschluss an das Praxissemester wähle ich zwei Vertiefungsrichtungen im Studium der Ingenieurinformatik aus und zum Abschluss des Studiums werde ich meine Diplomarbeit im achten Semester bei SIEMENS schreiben. Mit dieser Expertise kann ich das Wissen, welches ich mir im Studium angeeignet habe, zurück in die Firma einfließen lassen.
In den Semesterferien bin ich im SIEMENS Elektromotorenwerk Bad Neustadt und werde dort auch in meiner künftigen Fachabteilung, der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, eingesetzt. Es ist ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Gebiet und da ich einen Mentor an meiner Seite habe, erhalte ich auch entsprechende Arbeiten, um mich gut in die Entwicklung von Elektromotoren einarbeiten zu können.
Durch die regelmäßigen Praxisphasen bekomme ich einen guten Einblick in die Arbeit als Ingenieur und auch die Aufgaben sind entsprechend meines Fortschritts im Studium angepasst.
Anfänglich musste ich mich mit der breiten Produktpalette an SIEMENS Asynchron-Motoren vertraut machen und die notwendigen Kenngrößen zur Auslegung eines Elektromotors verinnerlichen. Da die Arbeit mittels geeigneter Software unterstützt wird, konnte ich mich schon bald mit konkreten Aufgaben befassen und die mir gestellten Arbeiten gut erledigen. So durfte ich unter anderem den Kennlinienverlauf für die neue Motorengeneration berechnen, oder Berechnungen für wassergekühlte Motoren durchführen.
An der Fachhochschule Schweinfurt bin ich als regulärer Student immatrikuliert und nur in den Semesterferien im Betrieb. Somit gibt es keinerlei zeitliche Überschneidungen und ich kann mich auf die jeweiligen Aufgaben voll und ganz konzentrieren.
Durch den Anspruch auf Urlaub kommt auch die Erholung nicht zu kurz, denn diesen kann ich nur in den Praxisphasen nehmen.
Nun, nach rund drei Jahren im dualen Studium bei SIEMENS kann ich voller Überzeugung sagen, dass sich meine Entscheidung bezahlt gemacht hat.
Das erworbene Wissen durch die praktische Ausbildung und den Unterricht in der Berufsschule kann ich gut auf die Inhalte im Studium übertragen und nicht selten dachte ich mir „Was der Professor vorträgt, das kenne ich schon!“.
Auch das regelmäßige monatliche Einkommen weiß ich sehr zu schätzen. Durch die finanzielle Unabhängigkeit kann ich mir in der Nähe der FH eine Wohnung nehmen und muss nicht abends oder am Wochenende arbeiten, um etwas Geld nebenbei zu verdienen.
Der entscheidende Vorteil für mich ist die Praxisnähe. Ich bin regelmäßig im Betrieb und lerne jedes Mal etwas Neues dazu. Nicht zu unterschätzen ist aber auch die Integration in den Betrieb und in die Abteilung. Man lernt die Kollegen kennen, weiß bereits nach kurzer Zeit über die Zuständigkeiten Bescheid. Umgekehrt ist es ebenso und so mancher Kollege kommt mit einer interessanten Aufgabe auf mich zu.
Und dann kommt ja noch die Diplomarbeit. Diese wird üblicherweise im Industriebetrieb geschrieben und man muss für eine solche Stelle ein Bewerbungsverfahren durchlaufen. Durch mein duales Studium bei SIEMENS ist dies allerdings nicht notwendig. Ich weiß jetzt schon, dass ich meine Diplomarbeit in der Entwicklungsabteilung schreiben werde. Hier ergeben sich immer sehr interessante Themen und meine Kollegen und ich selbst werden die Augen nach einem geeigneten Projekt für meine Diplomarbeit offen halten.
Aber zunächst einmal freue ich mich auf das bevorstehende Praxissemester und die Aufgaben, die auf mich zukommen werden.